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Große Aufgabe: Den Kleinsten eine Chance geben

Die Suche des Jugendamtes nach geeigneten Paaren oder Einzelpersonen, die sich bereit erklären, einem fremden Kind für bestimmte Zeit ein Zuhause zu schenken, reißt nicht ab.

Mehr als einhundert Pflegefamilien sind aktuell bereits für die Stadt Cottbus tätig, und erfreulicherweise melden sich immer wieder neue Bewerber bei uns, die sich dieser Aufgabe stellen möchten. Dennoch reicht unser Pool geprüfter Pflegeeltern meist nicht aus. Ein Grund dafür ist, dass wir für jedes Kind und dessen Bedürfnisse die passende Familie finden möchten und es daher einer gewissen Auswahl bedarf.

Darüber hinaus ist ein Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. Unterschiedliche psychische und soziale Belastungen, erzieherische Überforderung oder Gefährdungsmomente in Familiensystemen führen manchmal dazu, dass Eltern ihren Kindern nicht in ausreichendem Maße das geben können, was die Grundlage für eine positive Entwicklung eines jeden Kindes ist: Fürsorge, Stabilität, eine liebevolle Grenzen setzende Erziehung. Die Trennung von Geschwisterkindern, die untergebracht werden müssen, soll in den meisten Fällen vermieden werden. Daher werden Pflegefamilien mit entsprechend ausreichend räumlicher und zeitlicher Kapazität benötigt. Besonders für sehr kleine Kinder zwischen 0 und 6 Jahren wird die Unterbringung in einer Pflegefamilie favorisiert und vom Gesetzgeber sogar gefordert, um dem Kind ein stabiles Bezugssystem und die nötige Geborgenheit im familiären Rahmen zu ermöglichen. Aber auch für ältere Kinder werden Pflegefamilien benötigt.

Welche Kinder sind Pflegekinder?

Pflegekinder sind Babys, Kleinkinder, Kindergartenkinder, Schulkinder oder Jugendliche.

Pflegekinder leben in aller Regel mit zwei Familien. Ein Pflegekind ist und bleibt Kind seiner leiblichen Eltern, hat seinen Lebensmittelpunkt aber in der Pflegefamilie.

Pflegekinder sind keine Adoptivkinder. Auch wenn sie dauerhaft in einer Pflegefamilie aufwachsen, bleiben die verwandtschaftlichen Beziehungen und in vielen Fällen auch der Kontakt und das Recht auf Umgang mit der leiblichen Familie bestehen.

Pflegekinder bringen ihre eigene Geschichte mit – ihren, wie oft bildlich beschrieben wird, eigenen „Rucksack“.

Darin enthalten sind oft traumatische Erfahrungen, die noch nicht verarbeitet sind und durch die das Kind maßgeblich geprägt wurde – manchmal bis ins Erwachsenenalter und darüber hinaus.

Pflegekinder verhalten sich manchmal still, vermeintlich schmerzfrei oder über angepasst. Andere sind besonders laut. Einige haben große Verlustängste, manche reagieren panisch- zum Beispiel auf Wasser oder bei Dunkelheit. Ein Teil der Kinder zeigt bei Anforderungen verweigerndes Verhalten. Kleinste Änderungen im gewohnten Ablauf sind für manche Kinder eine existentielle Bedrohung, viele haben Entwicklungsverzögerungen.

Pflegekinder haben ihre Bezugspersonen häufig als unzuverlässig erlebt und dadurch Bindungsschwierigkeiten entwickelt.

Pflegekinder sind kleine Persönlichkeiten mit ganz eigener Vorgeschichte, individuellen Stärken und einem großen Bedürfnis nach Sicherheit.

Stimmen von Cottbuser Pflegekindern

Liebe Mama,
ich möchte dir danke sagen für 17 Jahre, die du mich großgezogen hast.
Du bist einfach die beste Mama der Welt, die man haben kann.
Durch dich bin ich jetzt so wie ich nun bin – ein verrückter lustiger junger Mann…
Auch wenn wir uns ab und zu mal streiten hab ich dich ganz doll lieb.
17 Jahre hast du mich schon großgezogen, ich war nicht immer einfach und an deinen Nerven habe ich auch ganz schön gezerrt.
Nun rückt die große 18 näher und der Führerschein auch (das arme Auto). …
Du und Vati habt mir diese tolle Familie geschenkt und dafür bin ich so dankbar
….Ich finde wir sind ein Super Team als Familie…. und hoffe es werden noch mehr von diesen lustigen Jahren.
DANKE

(Auszug aus einem Brief von Steven an seine Pflegemama)

„Ich will mal Feuerwehrfrau oder Polizistin werden – so wie meine Brüder“

(Moniek Sophie, zehn Jahre)